Resl Lenz wurde als Theresia Grundner am 25.06.1927 in München geboren. Aufgewachsen ist sie in Dorfen, wo ihr Vater, Peter Grundner, als Schreinermeister einen eigenen Betrieb führte. Ihre Eltern nannten sie Resi. Sie war bereits als Kind sehr kreativ und aufgeweckt. Mit etwa 10 Jahren zeichnete sie ihren Großvater schon recht treffend  "mit Bierglas in der Hand und einer Pfeife im Mund". Dieser war davon so angetan, dass er seiner talentierten Enkeltochter finanzielle Unterstützung und Förderung versprach. Aber er starb, bevor sie mit der Schule fertig war.

Nach einer abgeschlossenen Volksschulausbildung nahm sie erfolgreich an einem Wettbewerb um ein Stipendium für einen Studienplatz teil.

Zusätzlich beschlossen ihre Eltern, sie finanziell bei der Ausbildung zu unterstützen. Ihnen wurde bewusst, dass ihre Tochter wohl tatsächlich das nötige Talent wie auch den eisernen Willen zur Kunst besaß.

Sie konnte dann 8 Semester lang die Blochererschule für freie und angewandte Kunst in München besuchen. Nach dem Kunststudium war sie erfolgreich als freischaffende Künstlerin tätig. Sie fertigte damals bereits ihre ersten Batikmalereien an und wurde von verschiedenen Geschäften engagiert, dort hochwertige Dekorationsarbeiten zu erstellen.

In dieser Zeit nahm Resi eine Pause und  reiste ganz alleine mit ihrem Motorrad durch Europa.

1953 lernte sie dann den Schlossermeister, Anton Lenz, kennen, als ihr Motorrad kaputt gegangen war und sie dieses zu Anton in die Werkstatt brachte. Ein Jahr später, im März 1954, heirateten Resi und Anton und ein weiteres Jahr später kam ihre erste Tochter, Juliane, zur Welt. 1958 folgte dann Thomas und schließlich, 1961, Antonia. In den ersten Jahren ihrer Ehe kümmerte sich Resi um die gemeinsamen Kinder und arbeitete gleichzeitig als Batikerin und Dekorateurin.

1958 besuchte sie mit einer Freundin einen Glasbläser. Als sie ihn  bei der Arbeit beobachtete, kam ihr plötzlich die Idee, dass man in einer durchsichtigen Glaskugel ein Ornament aus Goldfolie einarbeiten könnte. Sie bestellte daraufhin beim Glasbläser einige Musterkugeln, welche unten eine runde Öffnung hatten und fing zu Hause sofort an, ihre Ideen umzusetzen. So entstand der Engel mit der Nummer 95 als erstes Muster.  Da Resi Mitglied im bayrischen Kunstgewerbeverein war, nahm dieser die Kugeln ins Verkaufsprogramm mit auf – und verkaufte diese mit sehr großem Erfolg.

1959 ging Resi dann mit ihren Kugeln, Engel Nr.95 in drei verschiedenen Größen, zur internationalen Kunst- und Handwerksmesse nach Frankfurt und stieß auch dort auf große Begeisterung der Kunden. Seitdem hat sie jedes Jahr ein neues Muster entworfen.

Der Ehemann, Toni, der ja selbstständiger Schlossermeister und ein richtiger Tüftler war, unterstützte seine Frau. Als das Geschäft sich nun so gut und erfolgreich entwickelte, begann Toni, die passende Technik zu entwickeln um seiner Frau die Arbeit zu erleichtern. Erst baute er ihr zum Beispiel eine Nähmaschine um, damit die Detaillochungen für den Engel Nr. 95 schneller und einfacher angebracht werden konnten, später konstruierte und baute er weitere Hilfsmittel. 1960 baute Toni die erste Stanzmaschine und ab da für viele weitere Muster neue Maschinen.

Toni und Resi ergänzten sich in jeder Hinsicht prächtig, auch geschäftlich, sie war die Kreative, mit unerschöpflichem Ideenreichtum und er war der Techniker. Ein starkes Team eben, wie so oft in familiengeführten Unternehmen.

Die älteste Tochter, Juliane,  hatte schon immer Interesse an den schönen Kugeln aus dem Hause Lenz und nachdem sie einige Semester Kunstgeschichte in Köln studiert hatte, begleitete sie ihre Mutter regelmäßig nach Frankfurt zur Internationalen Handwerksmesse. Viele der Muster, die heute auf dem Markt sind, wurden von ihr entworfen.

2004 wurde das Kugelgeschäft schließlich an Juliane übergeben, ihre Eltern Anton und Resi waren aber nichts desto trotz weiterhin sehr aktiv an allen Geschäftsvorgängen beteiligt.

Für Resi ist es eine Genugtuung, dass sie das mit so viel Mühe und Liebe aufgebaute Geschäft nach 50 Jahren an ihre Tochter weitergeben konnte - sie trägt aber immer noch sehr aktiv und mit viel Freude und Kreativität zum Gelingen des Unternehmens bei. Sie hat schon im Voraus für die kommenden Jahre viele neue Muster entworfen, von welchen jährlich eines auf den Markt kommt. Auch das Batiken gehört nach wie vor zu ihren Beschäftigungen und sie entwirft und fertigt häufig neue große Wandbehänge.

Sowohl für die Lenz-Kugeln als auch für ihre Wandbehänge erntete sie stets viel Anerkennung – unter anderem wurde ihr 2005 von der Stadt Dorfen der Kulturpreis für ihr Lebenswerk verliehen. Bescheiden, wie immer, war ihr der Wirbel um ihre Person so gar nicht recht und ihre Antwort auf den Preis war wörtlich: „Vielleicht hätte ihn jemand anders mehr gebraucht“.

Als 2010 Anton Lenz im hohen Alter von 84 verstarb, hinterließ er natürlich eine sehr große Lücke. Ohne ihn, wäre das Unternehmen niemals so groß und erfolgreich geworden, ohne seine Unterstützung und den festen Zusammenhalt in der Familie wäre dies nie denkbar gewesen.

Die Lenz-Kugeln sind bis heute begehrte Sammlerstücke und werden nach wie vor im oberbayrischen Dorfen in liebevoller Handarbeit gefertigt. Bei der Familie Lenz fängt die Weihnachtszeit eben schon im Frühsommer an, und das mittlerweile seit über 50 Jahren.

 

© Resl-lenz 2010 – 2018

 

 

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